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Rückfall

Zwei Wochen lang läuft es problemlos, täglich besser. Natürlich denke ich an Dich. Aber es ist leicht und schön. Ich kann ohne Dich leben. Wir werden uns schon wieder sehen. Vielleicht gratuliere ich Dir zum Geburtstag (von wegen vielleicht – die Nachricht an Dich habe ich schon längt entworfen). Aber so lange, lebe ich mein schönes Leben. Genieße Berlin, treffe Freunde, höre Musik, lese Bücher, bin draußen, mache einen Tango-Kurs, flirte und verliebe mich. Dabei kann ich dich ja im Stillen weiter lieben, aber eben glücklich sein ohne Dich.

Dann schleicht es sich wieder an. Es beginnt damit, dass ich von Dir träume. Wie treffen uns zufällig wieder, Du bist distanziert. Ich wachse also morgens auf mit dem dumpfen Schmerz dieses Traums von Dir. Nun bist du wieder ganz in meinem Kopf, in meinem Körper. Kontrollverlust. Und es schmerzt. Ich bin total unter Druck, komme da nicht raus. Schaue zwanghaft auf deine Nummer in meinem Handy, male mir alle möglichen Gespräche aus. Ich vermisse Dich so sehr. Ich will Dir schreiben, dich sprechen, dich sehen, dich umarmen. Am meisten fehlt mir die Leichtigkeit, die ich in der Zeit hatte, als du das alles auch wolltest. Ich kann nicht weinen, so unter Druck bin ich. Ich bin wieder rückfällig geworden. Du bist meine Droge. Und ich bin so süchtig.

Alles was ich dir gesagt habe, habe ich auch so gemeint. Jede Formulierung, um mein Gefühl auszudrücken, war überlegt und ernst gemeint. Deswegen kann ich das jetzt auch nicht mehr zurück nehmen oder relativieren, vor allem nicht zu jemand anderem sagen. Es ist alles aufgebraucht für dich. Und es wäre perfekt, wenn wir zusammen wären oder ich dich als mein Gegenüber hätte. Stattdessen habe ich alles mit größter Freude verschüttet und jetzt unfassbar Durst. Wenn wir telefonieren, hab ich währenddessen schon Angst, dass wir wieder auflegen. Danach bin ich wie verkatert. Worüber haben wir gerade überhaupt geredet? Habe ich die richtigen Sachen gesagt? Habe ich was gesagt, dass du mich jetzt weniger mögen könntest? Ich will dich wieder sprechen. Jetzt sofort. So kann das nicht weiter gehen. Jeder Kontakt ist ein Rückfall in die Sehnsucht.

Kann das überhaupt sein? Eigentlich ist das Gefühl doch alles nur eine Illusion. Nicht lebensnotwendig. Du bist ein Mensch, ich bin ein Mensch. Komplett unterschiedliche Leben. Es gibt keinen Grund, dass wir uns nochmal sehen müssen. Wir haben keinerlei Berührungspunkte. Wie kann ich mich da rausholen? Nicht mehr daran zu denken, was zwischen uns war, gelingt immer nur vorübergehend. Vor allem wie es war.  Lasse ich dann einen Tropfen Gefühl zu, folgt ein Platzregen, der noch tagelang auf der Haut schmerzt. Ich kann es nicht vergessen, weil ich es mir nicht eingebildet habe. Das war kein Schwärmen für jemanden, den ich ganz gut fand und der mich dann nicht wollte. Das war keine Affäre, in die ich mich reingesteigert hab. Ich hab alles gegeben, was da war und alles genommen, was so wunderschön war. Du hast es mir von jetzt auf gleich wieder entzogen, ich bin einfach nicht mitgekommen. Ich gebe und es kommt nicht mehr an. Ich will dich anrufen, nur um einen Moment ruhig und bei mir zu sein. Dabei war ich mir vor ein paar Tagen noch so sicher, es locker zu schaffen, mich nicht mehr zu melden. Ich bin eigentlich glücklich und frei, warum kann ich nicht aufhören, an Dir festzuhalten. Warum trifft es mich mit so einer Wucht? 

Mir fehlt es so geliebt zu werden, von Dir.

Gastgedanken von Louisa.

Louisa lebt in Berlin und würde gerne mehr schreiben. Bis das passiert, liest sie. Am liebsten Tagebücher und Briefwechsel.
Ihr Tipp: Am Ende jedes Jahres, die gelesenen Bücher chronologisch ins Regal stellen. Das sagt mehr aus als jede Autobiographie.

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