Selbst & Inszenierung
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Das Gegenteil von gleichgültig

Ich denke sehr viel nach.
Ich mache mir über alles Gedanken.
Ich bin nah am Wasser gebaut.
Ich überdenke, reflektiere und lasse revue passieren.
All das gehört zu mir. Und zeigt, das ich involviert bin. Dass mir etwas wichtig ist. Und nicht egal. Dass es weh tut oder schön ist. Dass es mich beschäftigt.
Es ist ein Zeichen dessen, dass ich lebe.

Ich fühle. Ich fühle viel. Und sehr oft treibt es mich zur Weißglut. Gerade, wenn es schmerzvolle Momente und Empfindungen sind, die ich ausblenden und vergessen möchte. Aber – und das habe ich gemerkt – ich möchte auch nicht ohne. Denn was noch viel schlimmer ist, als ständig jede Emotion zu spüren, sich Sorgen zu machen, zu lachen, zu weinen, Achterbahn zu fahren … ist Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit ist passiv. Sie ist einfach da und übertüncht alles. Wie eine Wolke, wie ein Nebel, durch den man Konturen nicht mehr erkennt oder ein Schleier, der sich über alles legt. Es ist ein ernüchterndes Gefühl. Nicht so sehr, wenn man von Anfang an gleichgültig ist. Aber wenn man es wird … nach und nach. Wenn man so viel einstecken musste, so viel durchgemacht hat und dann einfach nicht mehr fühlen und nachdenken und reflektieren und weinen und da sein will.

Im ersten Moment, ja, da fühlt es sich fast befreiend an. Endlich kann man ablassen, loslassen.
Doch irgendwie – fehlt was.
Denn das – bin das überhaupt noch ich?
Ich bin doch leidenschaftlich, ich bin doch immer voll dabei, ich weine doch auf dem Boden oder schreie vor Glück oder tanze vor dem Spiegel.

„Verlier nur deine Leidenschaft nicht.“
Denn Leidenschaft, sie trägt Dich. Macht Dich kreativ. Hilft Dir, Dich und Deinen Platz zu finden. Immer wieder neu oder auch endgültig. Wie es sich auch anfühlt. Denn sie macht, dass es sich richtig anfühlt. Oder falsch. Sie lässt Dich spüren, was gut und was schlecht für Bauch, Herz und Verstand ist.

Ich werde aufhören, es zu verteufeln.
Alles oder nichts? Ich nehme alles. Das ganze Spektrum. Ich kämpf mich durch. Stehe wieder und wieder auf. Und entscheide mich für’s Erleben. Für’s Durchmachen. Wähle Passivität ab. Bin im Hier und Jetzt. Und nehme alles, wie’s kommt. Bin das Gegenteil von gleichgültig.

Text und Bild von Nora.

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