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Was machst du eigentlich nach dem Abi?

Im April letztes Jahr war es soweit: Meine Abiturprüfungen standen an. Und nicht erst da, sondern schon Monate vorher begannen die Fragen der Leute.

„Was machst du eigentlich nach dem Abi?“
„Was willst du denn studieren?“
„Als was möchtest du später mal arbeiten?“

Familie, Freunde, Verwandte, Bekannte, Lehrer, Menschen, mit denen ich sonst nie rede – gefühlt jeder stellt diese Fragen und das kann verdammt anstrengend sein. Seit ich ein Kind war, weiß ich, dass ich Journalistin werden möchte. Im kommenden Wintersemester werde ich hoffentlich Journalismus, Kommunikationswissenschaften oder “irgendetwas anderes mit Medien” studieren, wie man so schön sagt. Klingt nach einem Plan und einer einfachen Antwort, die die Leute gut annehmen könnten. Doch direkt nach dem Abi wollte ich noch nicht studieren.

„Ich glaube ich suche mir im nächsten Jahr erst einmal verschiedene Praktika.“

Das ist leider eine nicht so zufriedenstellende Antwort auf die vielen Fragen. Ich bekam Zweifel und Bedenken zurück:

„Willst du nicht lieber schon studieren?“
„Das klingt jetzt noch nicht nach einem richtigen Plan.“

Ich persönlich hatte, als ich noch zur Schule ging und mitten im Abi-Stress steckte, nicht den Kopf, um mir schon genauestens über meine Zukunft Gedanken zu machen. Eine grobe Idee hatte ich schließlich auch. Aber das genügt anscheinend nicht. Ein paar meiner Freunde und andere aus meinem Jahrgang wussten bereits, was sie studieren wollen oder hatten ihren Ausbildungsplatz schon sicher. Andere planen ein freiwilliges soziales Jahr. Wieder andere machen Work and Travel oder Au-Pair verstreut auf der ganzen Welt. Erst im August wusste ich sicher, was ich in meinem „Gap Year“ machen werde.

Die Zeit von April bis August war alles andere entspannend für mich. Zwar war die Schule vorbei und die Prüfungen bestanden, doch in mir kamen Zukunftsängste, Selbstzweifel, Stress und Druck auf. Zu den Fragen der Leute kam eine hohe Anzahl an Vorstellungsgesprächen auf mich zu. Im März habe ich mich für ein FSJ Kultur beworben und bin von einigen Einsatzstellen eingeladen worden. Ich habe mich tierisch darüber gefreut, endlich einen konkreten Plan zu haben, was ich im kommenden Jahr mit meiner Zeit anstellen würde. Nach und nach hatte ich Vorstellungsgespräche und nach und nach kamen die Absagen.

„Es liegt nicht an dir persönlich, aber wir haben so viele Bewerber.“

Zwar wurde ich von wirklich großen und bekannten Einsatzstellen eingeladen, aber mit jeder Absage sank meine Hoffnung und Motivation. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich Zukunftsängste. Normalerweise war ich immer diejenige, die positiv in die Zukunft blickt und die Devise „Das wird schon!“ vertritt. Auch in dieser Zeit hörten die Fragen nicht auf.

„Was machst du, wenn du keinen Platz mehr bekommst?“
„Willst du dich nicht doch lieber schon irgendwo bewerben?“

Lange Rede, kurzer Sinn. Zwar kurz vor knapp, aber im August bekam ich eine Zusage und meine positive Einstellung zurück.

Was ich mit meiner Geschichte darstellen möchte, ist das Problem mit der Frage „Was machst du eigentlich nach dem Abi?“. Natürlich sollte zumindest die Familie das Recht darauf haben, diese Frage zu stellen. Auch die Freunde wollen und sollten vielleicht Bescheid wissen, was du vor hast. Und auch für alle anderen Personen ist es interessant zu erfahren, wie jemand zukünftig das eigene Leben gestalten will. Es gibt allerdings so viele junge Menschen, die gerade mit der Schule fertig sind und noch keinerlei Ahnung haben, wie es für sie weiter gehen soll. In den vielen Jahren Schule haben die meisten vielleicht ein bis zwei Praktika machen können. Dadurch findet nicht jeder sofort den Traumberuf. Bei der großen Anzahl an Ausbildungsplätzen und Studiengängen kann es einem ja nur schwerfallen, sich für eine einzige Sache zu entscheiden. Diese eine Entscheidung sollte im Idealfall dann auch noch direkt die richtige sein.
Menschen, die leider nicht seit dem Kindergarten wissen, was sie später einmal werden wollen oder die zusätzlich noch Schwierigkeiten bekommen – so, wie ich – belasten all die Fragen nach der Zukunft eventuell mehr als gedacht. Mit Sicherheit hat niemand, der dich fragt „Was machst du eigentlich nach dem Abi?“, eine böse Absicht, aber trotzdem kann diese Frage großen Druck aufbauen. Wahrscheinlich werden die Fragen nach der Zukunft niemals aufhören, egal, was du gerade machst. Bereits nach ein paar Wochen in meiner Einsatzstelle kamen schon die nächsten Fragen danach, was ich denn nach meinem FSJ vor habe …

Gastgedanken von Laura.
Sie ist 20 Jahre alt und macht zurzeit ihr FSJ Kultur in einem Jugendtheater. Neben dem Theater ist ihre große Leidenschaft das Schreiben. In ihrer Freizeit liest sie, geht auf Konzerte, besucht Messen, Museen und Workshops, macht Städtetrips und verbringt liebend gern Zeit mit Familie und Freunden.

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