Selbst & Inszenierung
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Nicht Carrie, sondern Nora.

Neulich saß ich in der Bahn und dachte nach. Irgendwie kam ich dann darauf, dass ich meine ganze Jugend und heute auch immer noch versuche, wie jemand anderes zu sein oder einfach anders zu sein. Und vor allem: älter. Ich orientiere mich immer an der Zukunft. Ich mag die Situation oder den Zustand im Hier & Jetzt nicht genug, um damit zufrieden zu sein. Um mit mir und dem, was ich bin, vollends zufrieden zu sein.

Es ist normal, dass man als Kind erste Berufswünsche entwickelt. Ich wollte mal Lehrerin, mal Fleischerin, mal Putzfrau und dann Tänzerin werden. Jetzt studiere ich was mit Medien und mein Berufswunsch – der ist eigentlich das zu machen, was ich jetzt mache, nur noch Geld mit zu verdienen.

Trotzdem habe ich mit 14 Sex and the City geschaut, wollte in New York leben und Autorin sein. Habe Carrie nachgeeifert. Wollte nicht die ganzen Männer, sondern einfach nur ihr Leben, ihren Lifestyle, ihre Wohnung, ihre Freunde, ihre Klamotten, ihren Job. Wollte mal so werden, wie sie.

Und das ist nur eines von vielen Beispielen.

Man orientiert sich ja meistens an Menschen, die älter sind, als man selbst. Die meisten YouTuber, die ich schaue, sind Mitte/Ende 20. Die meisten meiner eigenen Zuschauer sind maximal 20.

Man versucht, einen Anhaltspunkt zu finden, sich ein Vorbild zu suchen, nachzueifern. Das ist ganz natürlich und auch gar nicht schlecht.

Und doch kommt man immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und muss feststellen: ich bin keine Zoella, ich bin keine Taylor Swift, ich bin keine Carrie Bradshaw und Carrie Bradshaw gibt es nicht mal.

Eine gute Symbolik, eigentlich.

Carrie ist ein ausgedachter Charakter. Wurde von Null erschaffen. Hat aus dem Grund, dass sie ausgedacht ist, alle Möglichkeiten. Die Autorin entscheidet über Carries Leben.

Und die Autorin meines Lebens? Bin ich selbst.

Auch mir stehen alle Möglichkeiten offen.

Ich kann aufnehmen, aufsaugen, mich inspirieren lassen, abwägen und aus allem dann eine Person formen, die ich sein will.

Und wer sagt denn, dass ich nicht mal in New York lebe und Autorin bin? Vielleicht schreibe ich dann nicht für die VOGUE, sondern für TIERINDIR. Was ich eigentlich noch viel besser finde.

Aber jetzt im Nachhinein wünsche ich mir, ich hätte die Zeit mit 13, 14, 15 mehr genossen und das Leben geführt, das ich wirklich lebe, als immer nur das von anderen zu beneiden. Wie ewig wollte ich Sängerin werden und wie Demi Lovato riesige Konzerte geben? Dabei konnte ich nicht wirklich gut singen. Nichtsdestotrotz habe ich stets fest an diesem sehnlichen Wunsch festgehalten. Habe gesagt: genau so, wie mich Demi Lovato inspiriert, will ich auch mal andere inspirieren. Und dann habe ich meinen eigenen Weg gefunden, das zu tun. Und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Weil ich aufgehört habe, jemand anderes zu sein und angefangen habe, ich zu sein.

Und so unsinnig und lebenslust-raubend Vergleichen auch ist, so viele Chancen kann es auch bieten. Denn sich verbessern zu wollen, an sich arbeiten zu wollen und dann vielleicht auch irgendwann mal so auszusehen/ so zu sein/ sowas zu haben/ sowas zu machen … das ist definitiv nichts schlechtes. Schlimm wird’s nur, wenn man sich im Neid verliert und gar nicht erst damit anfängt, an sich zu arbeiten.

Die Moral der Geschichte ist also: lebt im Hier & Jetzt, denn irgendwann wünscht ihr euch vielleicht – wie ich – ihr hättet die Zeit mit anderen Gedanken im Kopf, als der Zukunft, verbracht. Und auf der anderen Seite: sucht euch gut Vorbilder, eifert nach und macht euer eigenes Ding draus.

Text von Nora. Bilder von Google hier & hier.

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