Selbst & Inszenierung
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Wie ich Frieden mit meinem Po schloss

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von meinem Hinterteil.

Wenn ich eine Sache an meinem Körper ändern könnte, dann hätte ich gern einen größeren, gleichmäßigen und definierten Po.

Ich schaue gern auf Pos. Ich finde Pos sind etwas wunderschönes. Ich beneide Mädchen und Frauen, die einen tollen Hintern haben. Und ich selber … naja. Klein und nicht fein könnte man sagen. Er entspricht eben nicht ganz meinen Idealvorstellungen. Vor allem hat er auf der einen Seite eine Falte. Und ich arbeite schon Jahre daran, diese Falte wegzubekommen. Schaue mich fast täglich im Spiegel an, probiere Posen aus, bei denen man sie nicht sieht, fühle, quetsche, versuche zu ignorieren. Ich mag meinen Po nicht. Er nimmt mir das Selbstbewusstsein und das Wohlbefinden in meinem Körper. Und das seit Jahren. Booty-Workouts, Squats während ich Zähne putze und Yoga haben nichts geändert. Ich hab mal drei Monate Ballett getanzt. Ja, da ist er etwas fülliger geworden. Aber die Falte ist geblieben. Diese blöde Falte. Und so sehr ich auch immer wieder self love predige und selbst praktiziere, so schwer fällt es mir doch auch, meinen eigenen Po zu lieben und zu akzeptieren.

Doch gestern ist etwas passiert.
Mein Vater hat vor einigen Tagen seine alte Analog-Kamera gefunden, in der sich noch ein alter Film befand. Und hat diesen entwickeln lassen. Wir wussten alle nicht, was das für Fotos sein würden, aus welchem Jahr und wer überhaupt darauf zu sehen war. Gestern bekamen wir die Bilder jedenfalls zurück. Es waren Familienfotos aus dem Jahr 2005. Und – alle lachten – auf dreien war ich zu sehen, nur mit einem Tuch um meine untere Körperhälfte gebunden. Von vorn. Und von hinten. Nun, das Tuch war nicht groß genug, um meinen Po zu bedecken und so strahlte uns mein 7-jähriges Hinterteil entgegen. Und was sehe ich da?

Die Falte.

Mir kamen die Tränen.
Die Falte. Ich habe sie schon immer. Sie gehört zu mir.
Nie würde ich zu diesem Mädchen sagen, dass diese Falte nicht schön ist. Dass sie ihren Po trainieren sollte und aufpassen sollte, was sie isst. Dass sie sich ihre Jeans nur anhand dessen aussuchen sollte, wie ihr Po darin aussieht. Nie würde ich das tun.

 

Und einfach so habe ich Frieden mit meinem Allerwertesten geschlossen. Denn er ist alles wert, nur nicht, wie ich ihn behandelt habe.

Habt ihr auch etwas an eurem Körper, womit ihr auf Kriegsfuß seid?
Stellt euch vor, ihr würdet eurem 7-jährigen Selbst gegenüber stehen. Wie würdet ihr mit diesem Menschen umgehen? Was würdet ihr diesem Menschen sagen? Welche Werte würdet ihr vermitteln wollen und was möchtet ihr diesem Menschen mit auf den Weg geben?

Und dann werdet euch bewusst: das bin immer noch ich.
Und dann schließt vielleicht ihr auch endlich Frieden.

Text und Fotos von Nora.

1 Kommentare

  1. Sara sagt

    Traurig, dass du solch einen makel an dir gesehen hast, obwohl du in meinen Augen so perfekt wirkst. Das zeigt einfach mal wie kritisch wir mit uns sind und immer einen Fehler an uns suchen, Sachen die anderen gar nicht auffallen!
    LG Sara

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